Hintergründiges – oder auch nicht – aus der Welt der Reiseschreberlinge

Im Schmelztiegel der Kulturen Asiens

Die Westküste des CMT-Partnerlands Malaysia punktet mit dem historischen Melaka, der quirligen Insel Penang und dem Tropenparadies Langkawi

 Mann, diese Hitze! Die Schweißdrüsen öffnen sich wie Schleusentore, das hastig geschluckte Mineralwasser verdunstet scheinbar in der Kehle und das Durstgefühl setzt bereits nach wenigen Sekunden wieder ein. Obwohl die Sonnenstrahlen ein paar Breitengrade über dem Äquator das dichte Blätterdach nicht durchdringen, heizt sich der Dschungel im Penang Nationalpark widerstandslos auf. Die Sonnenbrillengläser beschlagen bei 35 Grad im Schatten, als ob man aus einer Kältekammer direkt in die Sauna marschiert wäre. Das Trekking-Hemd klebt bei nahezu 100 Prozent Feuchte nach kurzer Zeit am Körper, man atmet flüssige Luft, die Schritte werden schwerer. Der Weg ist das Ziel und das Ziel ist der Kerachut Beach, wo sich seit 1990 das Schildkröten Conservation Center befindet. Zwischen April und August kann man dort dem Nachwuchs der Grünen- und seltenen Olive-Ridley-Schildkröten beim Schlüpfen zusehen. Der anfangs asphaltierte Weg zur Turtle-Station wird steil und geht über schräge Steinstufen in einen Trampelpfad über. Er führt durch den Regenwald im Nordosten der malaysischen Insel Penang, des zweiten, quirligen Wirtschaftszentrums des Landes neben der Hauptstadt Kuala Lumpur.

 

Wandertour durch den Nationalpark Penang

Gut, dass Maidian Bin Rashid, „just call me Dian“, dabei ist. Dian ist seit 20 Jahren Ranger im Nationalpark und führt jeden Tag Schüler- und Touristengruppen durch sein Revier. In einem früheren Leben war er Zimmermann und arbeitete später in einer Batik-Druckerei. Heute „bin ich glücklich, hier draußen in der Natur zu sein. Jeder Tag ist anders, der Urwald, das Wetter, einfach alles.“ Plötzlich zieht er ein Buschmesser, dessen Größe Crocodile Dundee erblassen ließe, und ritzt die Rinde eines unscheinbaren Baums auf. Sofort quillt weißliche Flüssigkeit heraus. „Natürlicher Klebstoff“, nickt der Ranger, während er Blätter von zwei benachbarten Tropengewächsen pflückt. „Das hier stillt kleinere Blutungen und dieses hilft bei Verdauungsproblemen.“ Mehr als 1000 Pflanzenarten und 143 Tierspezies beherbergt der Nationalpark, aber letztere „beobachten uns jetzt bloß und kommen erst in der Dämmerung aus der Deckung“, sagt Dian, darunter auch die nachtaktiven Vipern und Würgeschlangen, denen man nicht unbedingt begegnen will. Tagsüber kreischen nur die Zikaden wie Kreissägen in einer Schreinerei und selbst die Stechmücken lassen sich nicht blicken. Womöglich kennen sie Dians Kurzschwert. Der Penang Nationalpark wurde 2003 eröffnet und ist der jüngste sowie mit 2,5 Hektar Fläche der kleinste in Malaysia. Von den jährlich 86.000 Besuchern stammt gut ein Viertel aus dem Ausland, wobei die deutschen Gäste schon an dritter Stelle nach den Briten und Australiern kommen. Auf die Besucher warten auf kleinstem Raum fünf verschiedene Lebensräume: das Flach- und das Bergland, der Mangrovenwald, die Sandstrände und als Besonderheit von Penang der meromiktische See. „Dabei handelt es sich um ein Gewässer, das in der Regenzeit sowohl eine Süß- als auch eine schwerere Salzwasserschicht enthält, die sich nicht vermischen“, erklärt Dian.

 

Vielvölkergemisch in Malaysia

Sicher kein Symbol für den Vielvölkerstaat Malaysia, in dem die Malaien mit rund 60 Prozent vor den Chinesen (25 Prozent) und Indern (8 Prozent) die Mehrheit stellen. Muslime, Buddhisten, Hindus, Christen und Anhänger von Naturreligionen leben weitestgehend friedlich miteinander. Am deutlichsten wird die Vermischung der Völker aber am Beispiel der „Peranakan-Chinesen“. „Diese sind die Nachkommen von chinesischen Einwandern und einheimischen malaysischen Frauen“, sagt Fremdenführer Wong Tiew Nen, der selbst zu dieser ethnischen Gruppe gehört. Diese Beziehungen reichen bis ins ausgehende Mittelalter. 1459 heiratete die chinesische Prinzessin Hang Li Po den vierten Sultan von Melaka, Mansur Shah, und ihre Entourage bildete die erste größere Gruppe aus dem Reich der Mitte. Weitere Ungezählte folgten im Lauf der Jahrhunderte, während die britischen Kolonialherren indische Arbeiter aus Tamil Nadu und Bengalen nach Malaysia brachten.

 

„Baba-Nyonya“-Kultur in Melaka

Zurück zu den Peranakan-Chinesen. Die Männer nannte man „Baba“, die Frauen hießen „Nyonya“. Heute bildet die Hafenstadt Melaka, die 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, neben Penang das größte Zentrum der Baba-Nyonya-Kultur. Am schmackhaftesten ist sie in einer Crossover-Küche zu erleben. Gerichte, die auf chinesische Art zubereitet und mit malaysischen Zutaten, also Gewürzen, Kokosnussmilch, Tamarinde und Belacan, einer Paste aus getrockneten Garnelen, abgeschmeckt werden. Man kann in Melaka aber auch in die Tun Tan Cheng Lock Straße gehen und sich von Sabrina Chang das „Baba-Nyonya Heritage“ Museum zeigen lassen. Die Fremdenführerin kennt jede Ecke des imposanten Gebäudes in Chinatown. „Es ist typisch für den Stil ,Chinesisch-Barock‘, also einer Mischung aus traditioneller chinesischer Architektur und europäischen Einflüssen.“ Hier lebten einmal drei Generationen einer Baba-Nyonya-Familie und der Wohlstand der Peranakans lässt sich beispielsweise an einer mit vergoldeten Intarsien versehenen Holztreppe ablesen, die vermutlich die einzige ihrer Art in Melaka, wenn nicht sogar im ganzen Land ist. Möbel aus Rosenholz, farbenprächtige, mit Seide besetzte Laternen, Essstäbchen aus Elfenbein, blau-weißes Porzellan, extra in der chinesischen Provinz Kiangsi gebrannt, versetzen die Museumsbesucher in ein früheres Jahrhundert und lassen sie ins Schwärmen geraten.

 

99 Inseln im Tropenparadies Langkawi

Eine gute Flugstunde weiter im Norden liegt die Insel Langkawi und das Schwärmen kann weitergehen. Das Tropenparadies an der Grenze zu Thailand wirbt mit seinen „99 magischen Inseln“ und trägt seit 2007 den Titel „UNESCO Global Geopark“. Das erdgeschichtliche Erbe der Insel ist in der Tat bemerkenswert. Langkawi ist mit seinen rund 550 Millionen Jahren das älteste Stück Land der gesamten malaysischen Halbinsel und lässt ganze Geologengenerationen regelmäßig in Freudentänze ausbrechen. Majestätische Kalksteinkarste, mystische Höhlen, skurrile Felsformationen aus Granit oder Sandstein, Gesteinsfragmente vom Gletscher mitgespült und in Felsschichten abgelagert, verträumte Seen, Fossilien sowie eine beeindruckende Flora und Fauna. Jede Menge zum Erforschen. Die einzigartige Landschaft lässt sich am besten von oben betrachten. Beispielsweise vom 700 Meter hohen Machincang Berg aus, dessen Gipfelstation mit der Seilbahn aus Schweizer und österreichischer Produktion in wenigen Minuten erreicht wird. Kaum ausgestiegen, ist die Temperatur auf angenehme 25 Grad gefallen, auch die Luftfeuchtigkeit hat deutlich abgenommen und ist erträglich. Ohne Höhenangst und halbwegs schwindelfrei zu sein, ist dabei von Vorteil; Unerschrockene wagen sich oben angekommen auf die frei schwingende Fußgängerbrücke, um darüber zur Mittelstation zu gelangen oder um wenigstens ein schnelles Foto zu machen, als Erinnerung an die kleine Mutprobe im Brückenschwanken.

 

Adlerbeobachten im Mangrovenwald

Wer lieber auf Meereshöhe bleibt und keine Angst vorm Schaukeln hat, sollte unbedingt die Motorbootstour durch den Mangrovenwald im Nordosten Langkawis einplanen. Sie führt durch den Kilim Naturpark, dem Reich der weißbauchigen Seeadler und seinen kleineren Vettern, dem Rotrücken-Seeadler (Brahminy Kite) und dem Wanderfalken. Zur Freude der Touristen werden die eleganten Gleiter mit Hühnchenstückchen angelockt und zum blitzschnellen Eintauchen motiviert. Leicht reizbare Makaken mit Respekt einflößenden Gebissen lungern an den Uferrändern des Kilim herum und verdrehen ruckartig die Köpfchen nach möglichen Affen-Snacks. Am besten einfach ignorieren, denn Makaken-Bisse sind äußerst schmerzhaft. „Wenn wir Glück haben, sehen wir vielleicht ein Salzwasser- oder sogar ein seltenes Süßwasserkrokodil“, verkündet Tour Guide Jackie verheißungsvoll. Aber leider „no luck“, es ist uns nicht hold, auch die Bunga, eine giftige Mangrovennatter vom Stamm der Krait bleibt im Versteck aus Angst, eine Schlangenweihe könnte sie zum Lunch verspeisen. Dieser wartet später auf die Mangrovenfahrer an Bord schwimmender Restaurants, die Fisch, Reis und Gemüse servieren. Aber zuerst schippert der Bootsmann unter ausgehöhlten Felsen hindurch und deutet an die Tropfsteindecken. Wie auf Befehl starren alle nach oben und erkennen inmitten der Stalaktiten schemenhaft die schlafenden Bewohner der ansässigen Fledermauskolonien. „Quiet please!“ Natürlich, die nachtaktiven Segler wollen nicht gestört werden.

 

Reismuseum in Cenang

Nach dem Mittagessen lohnt sich der Abstecher in das Örtchen Cenang am Südzipfel Langkawis, wo man am weißen Sandstrand entspannen oder Gleitschirmfliegen kann. Oder man bummelt zum örtlichen Reismuseum mit passenden Feldern, Gerätschaft und historischen Fotos, das von Kunstgalerien, Restaurants und einem Kräutergarten eingerahmt ist. „Hier kann man alle wesentlichen Schritte des Reisanbaus nachvollziehen“, sagt Jackie, „von der Saatauswahl über das richtige Anpflanzen bis zur Reisernte. Der ganze Prozess kann bis zu 40 Monate dauern.“ Solange bleibt heute leider keine Zeit, aber ein Blick in das benachbarte Nawa Sari Spa ist allemal wert. Drei Anwendungen in 90 Minuten, von Pediküre über Aromatherapie-Massage bis zur traditionellen Ganzkörper-Massage mit Reis und Joghurt für insgesamt 90 Euro sind „Today’s Special“. Schade, dass der Bus schon wieder wartet, aber dann ein andermal. Wir kommen wieder, trösten wir die drei Grazien, die uns so gern in die Mangel genommen hätten, versprochen.

 

Malaysia ist das Partnerland der Stuttgarter Urlaubsmesse CMT 2012.

Weitere Informationen im Internet unter:

 

http://www.tourismmalaysia.de/

http://www.melaka.net/

http://www.tourismpenang.net.my/

http://www.tourismlangkawi.com/

www.langkawigeopark.com.my

 

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